Grüne Landtagsfraktion legt 10-Punkte-Plan zum Wasserschutz vor
Bamberg/ Bayreuth/Hof/München. Angesichts der anhaltenden Niedrigwasser- und Dürresituation legt die Landtagsfraktion der Grünen einen umfassenden 10-Punkte-Plan für den Schutz von Trinkwasser, Gewässern und Landschaftswasserhaushalt vor. Ursula Sowa, baupolitische Sprecherin, und Tom Pargent, finanzpolitischer Sprecher fordern die Staatsregierung zu unverzüglichem Handeln auf. Einen entsprechenden Antrag hat die Grünen-Fraktion in den Bayerischen Landtag eingebracht.
Die Lage ist ernst: Nach dem aktuellen Niedrigwasser-Lagebericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt weisen 81 Prozent der oberflächennahen Grundwassermessstellen und 74 Prozent der tieferen Grundwassermessstellen in Bayern niedrige Wasserstände auf. Rund 65 Prozent der Flusspegel liegen unter dem langjährigen mittleren Niedrigwasserabfluss und werden als „sehr niedrig“ eingestuft. Besonders betroffen sind auch Gebiete in Oberfranken.
„Die Klimakrise ist längst in Oberfranken angekommen. Was viele oft noch immer für ein Problem anderer Regionen halten, erleben wir inzwischen direkt vor unserer Haustür: sinkende Grundwasserstände, ausgetrocknete Bäche, Stress für Fische und andere Gewässerlebewesen sowie zunehmende Nutzungskonflikte um Wasser“, erklärt Ursula Sowa.
„Oberfranken erlebt seit Jahren, was die Klimakrise für unsere Wasserressourcen bedeutet. Sinkende Grundwasserstände, ausgetrocknete Bäche, zunehmende Wasserentnahmeverbote und Belastungen für Natur, Landwirtschaft und Kommunen werden immer mehr zur neuen Realität. Die Söder-Regierung muss jetzt endlich mit der notwendigen Entschlossenheit handeln“, erklärt Tim Pargent.
Situation in Oberfranken zunehmend kritisch
In Oberfranken hat sich die Niedrigwasserlage in den vergangenen Wochen deutlich verschärft. Zugleich werden große Teile Oberfrankens im aktuellen Dürreindex des Niedrigwasser-Informationsdienstes als trocken bis teilweise extrem trocken bewertet. Die Zahl heißer Tage hat sich gegenüber dem langjährigen Durchschnitt vielfach erhöht.
„Wenn selbst in der sonst wasserreichen Voralpenregion und entlang großer Flüsse die Wasserstände kritisch werden, dann dürfen wir die Lage nicht länger als vorübergehendes Sommerphänomen abtun. Die Staatsregierung muss endlich auf die neuen klimatischen Realitäten reagieren“, so Pargent.
Trinkwasser schützen statt Probleme verwalten
Die Grünen kritisieren, dass zentrale Empfehlungen der Expertenkommission Wasser bislang nur schleppend umgesetzt werden. „Statt einen Fokus auf Fernwasserversorgung (Markus Söder spricht von „Megaleitung von Süden nach Norden“) zu setzen, braucht Bayern vor allem mehr Wasserrückhalt in der Fläche und einen besseren Schutz der Grundwasserreserven. Bei der Wassergesetznovelle 2025 hat die Söder-Regierung wieder einmal die Chance verpasst, die Wasserzukunft Bayerns langfristig zu sichern“, so Sowa.
Der Grüne 10-Punkte-Plan umfasst kurz- und mittelfristige Maßnahmen, darunter eine bayernweite Wassersparoffensive und einen Krisenstab Wasser für akute Niedrigwasserlagen, den besseren Schutz von Flüssen, Bächen und Seen und den Ausbau von Wasserschutzgebieten, deutlich mehr Personal für die Wasserwirtschaftsverwaltung und die Modernisierung der kommunalen Wasserinfrastruktur, sowie die Stärkung von Schwammstädten und Schwammlandschaften.
Gewässerqualität und Badeseen unter Druck
Die anhaltende Hitze belastet nicht nur die Wasserversorgung, sondern zunehmend auch die Gewässerqualität. Bayernweit werden Blaualgenentwicklungen durch hohe Temperaturen und geringe Wasserbewegung begünstigt. In der Kulmbacher Kieswäsch gilt daher ein Badeverbot, für den Trebgaster See im Landkreis Kulmbach, den Baggersee Ebing sowie den Weißenstädter See im Landkreis Wunsiedel wurden Badewarnungen ausgesprochen. Laut Umweltbundesamt sind bundesweit mehr als die Hälfte aller zeitweiligen Sperrungen von Badegewässern auf Cyanobakterien zurückzuführen. Auch Niedrigwasser wird mittlerweile als Grund für Einschränkungen genannt. „Seen und Flüsse sind wichtige Orte der Naherholung und Abkühlung. Gerade deshalb müssen wir heute investieren, damit unsere Gewässer auch morgen gesund bleiben“, betonen die oberfränkischen Abgeordneten.
Söder-Regierung muss jetzt entschlossen handeln
Die Grünen sehen die Staatsregierung in der Pflicht, jetzt entschlossen zu handeln. „Die Frage lautet nicht mehr, ob Bayern von Wasserknappheit betroffen sein wird. Die Frage lautet, wie wir mit den sich verschärfenden Trockenheiten und Dürren umgehen. Damit auch in zehn, zwanzig oder dreißig Jahren noch selbstverständlich gilt: Hahn auf, Wasser fließt. Dafür braucht es jetzt entschlossenes Anpacken statt weiterer Ankündigungen“, so Sowa und Pargent abschließend.
04.08.26