Wiedervernässte Moore sind nicht nur wertvoll für den Klimaschutz – sie können auch die Grundlage für innovative und nachhaltige Baustoffe sein. Genau dieses Potenzial wird in Bayern bislang viel zu wenig genutzt. Deshalb habe ich mich mit einem Antrag im Ausschuss für Wohnen, Bau und Verkehr dafür eingesetzt, die Markteinführung von Baustoffen aus sogenannten Paludikulturen gezielt zu beschleunigen.
Paludikulturen sind Pflanzen wie Schilf, Seggen oder Rohrglanzgras, die auf wiedervernässten Moorflächen wachsen. Aus ihnen lassen sich beispielsweise Dämm- und Akustikplatten herstellen. Damit entstehen klimafreundliche Baustoffe, die Torf und andere ressourcenintensive Materialien ersetzen können. Gleichzeitig schaffen sie neue Einkommensperspektiven für die Landwirtschaft und stärken die regionale Wertschöpfung.
Forschung in die Praxis bringen
In Bayern wird bereits erfolgreich zu diesen Baustoffen geforscht – etwa an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf, der Technischen Universität München oder am Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe in Straubing. Das Problem ist jedoch: Viele Entwicklungen schaffen den Sprung in den Markt nicht, weil Zertifizierungen fehlen oder geeignete Verarbeitungsstrukturen noch nicht aufgebaut sind.
Mit meinem Antrag habe ich deshalb vorgeschlagen, bestehende Förderprogramme um Paludi-Baustoffe zu erweitern und gezielt Forschung, Pilotprojekte, Zertifizierungen und den Aufbau von Verarbeitungsstrukturen zu unterstützen. Außerdem sollte ein runder Tisch aus Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung eingerichtet werden, um Zulassungsverfahren zu beschleunigen und die Markteinführung voranzubringen.
Klimaschutz und regionale Wertschöpfung verbinden
Für mich steckt in diesen Baustoffen weit mehr als eine technische Innovation. Sie verbinden aktiven Klimaschutz mit nachhaltigem Bauen und eröffnen gleichzeitig neue Perspektiven für die Landwirtschaft und den ländlichen Raum. Gerade Bayern mit seiner starken Forschung und seinem Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe kann hier eine Vorreiterrolle übernehmen.
Damit innovative Baustoffe eine echte Chance erhalten, muss auch die öffentliche Hand mit gutem Beispiel vorangehen und nachhaltige Materialien bei ihren Bauvorhaben stärker berücksichtigen.
CSU und Freie Wähler bremsen aus
Im Ausschuss wurde der Antrag von CSU, Freien Wählern und AfD abgelehnt. Zwar erkannten die Regierungsfraktionen das Innovations- und Klimaschutzpotenzial der Paludi-Baustoffe ausdrücklich an, wollten aber weder zusätzliche Fördermaßnahmen noch einen runden Tisch auf den Weg bringen. Die SPD enthielt sich.
Ich halte das für eine vertane Chance. Wer Innovationen fördern will, muss ihnen auch den Weg in den Markt ebnen. Gerade neue Baustoffe brauchen in der Anfangsphase Unterstützung, damit aus guten Forschungsergebnissen marktfähige Produkte werden. Davon profitieren Klimaschutz, Bauwirtschaft, Landwirtschaft und der ländliche Raum gleichermaßen.