Der Gebäudesektor spielt eine Schlüsselrolle für das Erreichen der Klimaziele. Um die Emissionen bis 2045 wirksam zu senken, braucht es eine echte Bauwende.
Weg von Abriss und ressourcenintensivem Neubau, hin zu Erhalt, Umnutzung und intelligenter Weiterentwicklung des Gebäudebestands. Mit einem Antrag habe ich deshalb gefordert, dass sich die Bayerische Staatsregierung im Rahmen der Länderbeteiligung zum Klimaschutzprogramm 2026 der Bundesregierung für eine konsequente Bauwende einsetzt.
Denn der aktuelle Entwurf des Klimaschutzprogramms greift aus meiner Sicht zu kurz. Wesentliche Elemente einer echten Bauwende fehlen bislang: ein stringentes Konzept für klimaverträgliches Bauen im Bestand, eine klare Priorisierung von Bestandserhalt, stärkere Förderung zirkulärer Materialkreisläufe sowie bessere Rahmenbedingungen für Planungsbüros und Kommunen. Genau hier muss nachgebessert werden.
„Die klimafreundlichsten Gebäude sind oft die, die bereits stehen. Deshalb müssen wir den Gebäudebestand viel stärker in den Mittelpunkt der Bau- und Klimapolitik rücken. Weiterbauen statt wegwerfen muss zum Leitprinzip werden.“
Bestandserhalt vor Neubau
Mit meinem Antrag fordere ich, dass Bestandserhalt und Umnutzung konsequent vor Neubau priorisiert werden. Leerstehende oder untergenutzte Gebäude bieten enorme Chancen – sowohl für die Schaffung von Wohnraum als auch für einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Statt funktionierende Bausubstanz abzureißen, müssen wir ihre Potenziale besser nutzen und bestehende Gebäude fit für die Zukunft machen.
Zirkuläres Bauen stärken
Darüber hinaus braucht es verbindliche Rahmenbedingungen und zielgerichtete Anreize für zirkuläres Bauen. Baustoffe müssen stärker wiederverwendet und Materialkreisläufe geschlossen werden. Gleichzeitig sollten Materialeffizienz und Lebenszyklusbetrachtungen systematisch und unbürokratisch in Förderprogramme und Förderkriterien integriert werden.
„Wir müssen weg von der Wegwerfmentalität im Bausektor. Gebäude und Baustoffe müssen künftig so geplant werden, dass sie möglichst lange genutzt und wiederverwertet werden können. Das schont Ressourcen, vermeidet Emissionen und stärkt eine nachhaltige Bauwirtschaft.“
Planungssicherheit und bessere Förderung
Eine erfolgreiche Bauwende braucht außerdem verlässliche Rahmenbedingungen. Deshalb setze ich mich für langfristige Zielvorgaben und stabile Förderkulissen ein. Nur so erhalten Kommunen, Planungsbüros, Bauwirtschaft und Investoren die notwendige Planungs- und Investitionssicherheit.
Besonders wichtig ist auch eine bessere Förderung der Planungsleistungen im Bestand. Gerade Umnutzungs- und Sanierungsprojekte sind häufig komplex und erfordern umfangreiche Vorarbeiten. Deshalb müssen die Fördermittel für die frühen Planungsphasen deutlich aufgestockt werden. Dort werden die entscheidenden Weichen für die Nachhaltigkeit eines Projekts gestellt.
Landtag stärker einbinden
Mit dem Antrag fordere ich außerdem, dass die Bayerische Staatsregierung den Landtag aktiv in die Positionierung Bayerns zum Klimaschutzprogramm 2026 einbezieht und zeitnah im Ausschuss für Wohnen, Bau und Verkehr über die weitere Ausgestaltung berichtet.
Die Entscheidungen, die jetzt getroffen werden, sind eine zentrale Weichenstellung für die Bau- und Klimapolitik der kommenden Jahre. Wenn wir die Klimaziele erreichen wollen, müssen wir den Gebäudebestand als Teil der Lösung begreifen. Eine echte Bauwende beginnt nicht auf der grünen Wiese, sondern im Bestand.