Am 40. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl versammelten sich Bürgerinnen und Bürger aus ganz Nordbayern am Tschernobyl-Denkmal am Regnitzufer, um gemeinsam der Opfer zu gedenken und ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen.
Die Veranstaltung fand von 17:00 bis 18:00 Uhr statt und war geprägt von bewegenden Redebeiträgen sowie stillen Momenten des Innehaltens. Dieses besondere Erinnern wurde vom BUND Naturschutz Oberfranken organisiert.
Im Zentrum des Gedenkens stand die eindrucksvolle Steinskulptur des südkoreanischen Künstlers Jin Mo Kang, der in diesem Jahr persönlich anwesend war. Die auf dem Rücken liegende Schildkröte, die scheinbar hilflos in der Bewegung, ist seit über zehn Jahren ein mahnendes Symbol für die Folgen nuklearer Katastrophen. Ihre bewusst gewählte, verletzliche Darstellung verweist auf die Ohnmacht gegenüber unsichtbaren Gefahren wie radioaktiver Strahlung – und bleibt gerade deshalb so eindringlich. Gleichzeitig gilt die Schildkröte, insbesondere in Asien, auch als Symbol für Kraft und Beständigkeit.
Nach einem kurzen Grußwort des Zweiten Bürgermeisters Jonas Glüsenkamp, der die Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien auf kommunaler Ebene hervorhob, erinnerte Udo Benker-Wienands an die Entstehungsgeschichte des Denkmals. Auf seine Initiative hin hatte die Kreisgruppe Hof des Bund Naturschutz in Bayern e.V. bereits 1988 einen bundesweiten Künstlerwettbewerb „Ein Denkmal für Tschernobyl“ ausgeschrieben, aus dem Jin Mo Kang als Sieger hervorging. Zugleich mahnte er, dass es statistisch gesehen etwa alle 30 Jahre weltweit zu einem schweren Störfall in einem Atomkraftwerk komme – und dass es daher nur eine Frage der Zeit sei, bis sich eine solche Katastrophe wiederhole.
Die Bamberger Landtagsabgeordnete Ursula Sowa kritisierte in ihrem Beitrag aktuelle energiepolitische Debatten, die sie als rückwärtsgewandt bezeichnete. Angesichts der historischen Erfahrungen erneut auf Atomkraft zu setzen, sei aus ihrer Sicht nicht verantwortbar.
In weiteren Redebeiträgen erinnerten Hubert Weiger, Ehrenvorsitzender des Bund Naturschutz, sowie Martin Geilhufean die verheerenden Auswirkungen des Reaktorunfalls vom April 1986. Beide betonten, dass die Katastrophe von Tschernobyl nicht nur ein historisches Ereignis sei, sondern bis heute ökologische, gesundheitliche und politische Konsequenzen habe. Gleichzeitig hoben sie die Bedeutung eines konsequenten Engagements für erneuerbare Energien und gegen die Nutzung der Atomkraft hervor.
Tolle Musik von Sun & Moon Duo Aleksandr Kontradiev und Iryna SavchenkoEinige der Anwesenden berichteten, dass sie sich noch genau an den Moment vor 40 Jahren erinnern können, als sie von der Katastrophe erfuhren. Diese persönlichen Erinnerungen machten deutlich, wie stark Tschernobyl das kollektive Bewusstsein geprägt hat. Auch der Bezug zur Reaktorkatastrophe von Fukushima im Jahr 2011 wurde erneut hergestellt – ein Ereignis, das die anhaltende Aktualität des Themas unterstreicht.
Die Veranstaltung zeigte, dass das Denkmal am Regnitzufer nicht nur ein Kunstwerk, sondern ein lebendiger Ort des Erinnerns und der Mahnung ist. Auch vier Jahrzehnte nach Tschernobyl bleibt die Botschaft klar: Die Risiken der Atomkraft sind nicht gebannt – und das Gedenken an ihre Opfer bleibt eine gesellschaftliche Verantwortung.
Notiz: Ursula Sowa bedankt sich von ganzem Herzen beim BUND Naturschutz Bayern, der dieses besondere Jubiläumsgedenken organisiert hat. Nachdem sie die letzten Jahre das Gedenken organisiert hatte, freute sie sich dieses Jahr besonders über die viele Prominenz und Aufmerksamkeit für dieses Thema. In der gleichen Sache gemeinsam an einem Strang ziehen ist eine Freude.