Rede im Plenum am 11.03.2026 zum Antrag der SPD "Studieren ohne Wohnungsnot – Wohnheimausbau jetzt stärken!"
Sehr geehrter Herr Präsident, liebe Kolleginnen und Kollegen! Nur, wer verlässlich ein Dach über dem Kopf hat, kann auch gut lernen und studieren. Da sind wir uns vielleicht einig. Genau das wird für Studierende in Bayern aber immer schwieriger, denn verfügbarer Wohnraum, geschweige denn bezahlbarer, ist in Bayern absolute Mangelware. Über ein Drittel der Studierenden in Deutschland ist akut armutsgefährdet. Die Hälfte hat weniger – hören Sie gut zu – als 867 Euro im Monat zur Verfügung. In München liegen die Preise für ein WG-Zimmer locker bei durchschnittlich 800 Euro. Dass der Rest nicht zum Leben reicht, erklärt sich von selbst.
In ländlichen Gebieten ist das Problem nicht weniger relevant. Erst kürzlich hat mich eine Kommunalpolitikerin kontaktiert, weil es bei ihr in Kempten – vorhin war von Cham die Rede – für Studierende kaum bezahlbaren Wohnraum gibt. Die Staatsregierung lobt sich währenddessen dafür, in den letzten Jahren doch ach so viel für studentisches Wohnen ausgegeben zu haben. Allerdings ist die Wohnheimquote zuletzt immer weiter gesunken, jüngst auf 9,7 %, wie die Kollegin schon gesagt hat.
Dabei waren wir hier schon einmal deutlich weiter: Noch Anfang der 1990er-Jahre lag die Abdeckung in Bayern bei über 15 %. Doch die Staatsregierung hat es über Jahrzehnte hinweg versäumt mitzudenken, dass es für die seither stark gestiegene Zahl an Studierenden natürlich auch mehr Wohnungen braucht.
Aber damit nicht genug. Denn was ist mit denen, die einen der raren Plätze in einem Wohnheim ergattern? – Sie können durchaus das Pech haben, unter völlig unzumutbaren Standards untergebracht zu sein. Denn viele Häuser müssten dringend generalsaniert werden. Die Studierendenwerke geben hier sicher ihr Bestes. Aber angesichts des massiven Sanierungsstaus reichen die vorhandenen Ressourcen einfach nicht aus.
Ein besonders krasses Beispiel – meine Vorredner haben es schon genannt – war in den Medien. Das war das Beispiel in der Münchner Studentenstadt: Verrottende, schimmlige Wohnungen mit riesigen Wasserflecken, das ist nicht nur ungemütlich, sondern stellt im schlimmsten Fall sogar eine Gesundheitsgefährdung dar. Ich war auch vor Ort und war wirklich erschrocken über diesen schlimmen Zustand.
Wir hatten das Thema jüngst im Ausschuss, im Wissenschaftsausschuss. Dort hieß es, dass Minister Blume bis zu den Medienberichten von all dem nichts gewusst haben soll, ob sein Ministerium die Rechtsaufsicht hat und mittelgebende Stelle für die Studierendenwerke ist. Das spricht nicht gerade dafür, dass ihn das Thema auch nur ansatzweise interessiert. Die Bilder, die wir dort gesehen haben, und die Studierende uns geschickt hatten, sind mehr als blamabel für unseren Wissensstandort. Da kann der Minister gleichzeitig noch so viel von Hightech und Forschungsstärke sprechen, wenn es an der Basis einfach fehlt. Das Fundament sind gute Bedingungen für unsere Studierenden, denn sie sichern unsere Zukunft.
Wenn ausgerechnet hier das Fundament buchstäblich bröckelt, verspielt man den guten Ruf unseres Standortes. Die hier von der SPD in diesem Antrag geforderte Einführung einer Quote von 15 % allein schafft natürlich noch keine einzige neue oder sanierte Wohnung. Aber sie zeigt, wo es hingehen muss. Wir brauchen endlich eine Wende bei der Wohnungspolitik für Studierende, aber auch für Azubis. Das möchte ich noch anfügen.
Ausgehend von einer Quote müssen dann aber auch Maßnahmen folgen, die für den dringend benötigten Wohnraum sorgen. Wir fordern daher ganz klar: Unterstützen Sie die Studierendenwerke auskömmlich, damit sie mehr Wohnraum schaffen können. Dazu zählt natürlich eine bessere Finanzierung. Aber auch das alleine reicht nicht. Denn aktuell stehen auch die neu eingeführten starren Förderrichtlinien einer schnellen Behebung des Problems entgegen. Die nachschüssige Auszahlung sorgt nämlich dafür, dass Studierendenwerke aktuell große Bauvorhaben teuer zwischenfinanzieren müssen. Das kann aber auch nicht im Sinne des Freistaats sein. Außerdem muss bei der Schaffung neuer Studienkapazitäten das Wohnen von Beginn an mitgeplant und -gedacht werden. Denn die jungen Menschen müssen ja schließlich irgendwo unterkommen.
Nicht zuletzt brauchen wir endlich eine Reform des BAföG, die dafür sorgt, dass unsere Studierenden über ausreichend Mittel verfügen, um sich auf ihr Studium zu konzentrieren.
Kurzum: Die Einführung einer Wohnheimquote ist begrüßenswert. Wir sehen darin einen ersten Schritt in die richtige Richtung. Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.
Meine Rede im Plenum